Stadtteil Moabit

Moabit ist ein Ortsteil im Bezirk Mitte von Berlin. Die Spree und verschiedene Kanäle umgeben die sog. "Moabiter Insel". Im Norden wird Moabit durch die Bahnflächen des S-Bahn-Rings und eines ehemaligen Güterbahnhofs sowie die Hafenanlagen des Westhafens begrenzt. Am östlichen Rand des Ortsteils befinden sich das Entwicklungsareal um die Lehrter Straße und Heidestraße sowie die großen Grün- und Freiflächen des Fritz-Schloss-Parks und des Poststadions. Im Südosten Moabits liegt der Berliner Hauptbahnhof. Im Westen wird Moabit durch ein großflächiges Industrie- und Gewerbegebiet begrenzt. Aufgrund der umgebenden Wasserwege und der großflächigen Nutzungen an den Rändern Moabits besteht eine stadträumlich abgegrenzte "Insellage".

Moabit ist in mehrere Ortslagen unterteilt, darunter den Stephankiez, den Beusselkiez, den Huttenkiez, den Lehrter-Straßen-Kiez, das Westfälische Viertel sowie die Europacity am Hauptbahnhof.

Historische Entwicklung
Der heutige Ortsteil Moabit war der Berliner Verwaltung seit dem 13. Jahrhundert als "Große Stadtheide" unterstellt. Als im 17. Jahrhundert die Stadterweiterung Berlins auch Teile des Großen Tiergartens beanspruchte, wurde dem Kurfürsten zum Ausgleich ein Teil des künftigen Moabits übereignet. Der heutige Kleine Tiergarten und der Ottopark sind Reste dieses kurfürstlichen Tiergartens.

Die Entwicklung Moabits im 19. Jahrhundert ist eng verknüpft mit der Industrialisierung und der Ansiedlung von Betrieben, wie der Porzellanmanufaktur Schumann im Jahr 1832. Mitte des 19. Jahrhunderts folgten Borsig (1850) und die Porzellanfabrik Schomburg (1853). 1861 wurde Moabit in die Stadt Berlin eingemeindet. Die weitere Ansiedlung von Industriebetrieben (u. a. Bolle Molkerei, Löwe, AEG) am Ende des 19. Jahrhunderts zog den Bau von Mietskasernen zur Unterbringung der Arbeitskräfte nach sich. Aus dieser Zeit stammt die gründerzeitliche Blockrandbebauung, die das Gebiet bis heute prägt. Die steigende Arbeitskräftenachfrage spiegelt sich im Wachstum der Einwohnerzahlen wider: von 120 Einwohnern im Jahr 1820 wuchs Moabit auf etwa 10.000 Einwohner im Jahr 1858 an. In den folgenden Jahrzehnten war eine weitere exponentielle Erhöhung der Bewohner zu verzeichnen.

Im Zweiten Weltkrieg kam es 1943 zu schweren Bombenangriffen. Nach Kriegsende 1945 war ein großer Teil des Wohnraums in Moabit zerstört. Bedeutendstes Beispiel des Wiederaufbaus in Moabit nach dem Zweiten Weltkrieg ist das im Süden gelegene Hansa-Viertel, das im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1957 errichtet wurde. Durch den Bau der Berliner Mauer 1961 wurde Moabit von seiner Lage in der Mitte der Stadt in eine Randlage versetzt. Wichtige stadträumliche Verbindungen und Verkehrswege wurden zerstört, das Gebiet verlor seine Attraktivität als zentrumsnahes Wohngebiet. In den 60er Jahren wurde die Turmstraße - zu Lasten der breiten Gehwege und einer vierreihigen Baumallee - zu einer autoorientierten Straße mit sechs Fahrbahnen ausgebaut. In dieser Zeit wurden auch die Parkanlagen des Kleinen Tiergarten und des Ottoparks neu gestaltet.

In den 80er Jahren setzte der Niedergang der Turmstraße als Geschäftsstraße ein. Handelsstrukturelle und soziale Veränderungen führten zu Funktions- und Bedeutungsverlusten des Stadtteilzentrums. Seit der Wiedervereinigung liegt Moabit wieder zentral in der Stadt, Verkehrsanbindungen wurden wiederhergestellt. Südöstlich des Ortsteils entstanden der neue Berliner Hauptbahnhof und das Parlaments- und Regierungsviertel. Zwar ergaben sich auf den Flächen des ehemaligen Mauerstreifens und durch die Aufgabe des Containerbahnhofs im Osten Moabits neue Entwicklungspotenziale, doch der zunehmende Funktions- und Bedeutungsverlust Moabits konnte (zunächst) nicht aufgehalten werden. (Quelle: Vorbereitende Untersuchung Turmstraße)