Sanierung der Heilandskirche

Im Zentrum Moabits, an der Engstelle Thusnelda Allee zwischen der Turmstaße und Alt-Moabit, steht die 88m hohe, neugotische, 1894 eingeweihte Heilandskirche. Nach starker Kriegszerstörung wurde sie in den Jahren 1956 – 1960 vereinfacht unter Verkleinerung der vier Ecktürme und Verzicht auf den Dachreiter wiederaufgebaut. 2004 erfolgte die Erneuerung des Kircheninneren (Gemeinderäume, Gruppenräume, Sanitäranlagen).

„Steinschläge“ durch abplatzende Ziegel und aus dem Verbund gelöste Schieferschindeln erforderten immer mehr Notsicherungen. Die Schadensbegutachtung unter der Regie von Leibenatus, Stockburger, Wittayer (LSW) Architekten und Ingenieure ergab 2012/13 u.a. „substantielle“ Schäden des Mauerwerksgefüges mit bis zu 0,5 m² abgängigen Ziegelflächen sowie eine „massive“ Schädigung des Schieferdaches des Hauptschiffs, was wiederum Wasserschäden zur Folge hatte.   

Die Kosten für eine Hüllensanierung (Dächer, Fassaden, Fenster) wurde mit 1,8 Mio. € brutto Bau- und Baunebenkosten berechnet. Aus Kostengründen musste man sich dafür entscheiden, die Schiefereindeckung des Hauptschiffes durch Dachziegel zu ersetzen. Beim Ausbau der Schieferschindeln stellte sich später heraus, dass die Überdeckung von Schindel zu Schindel statt der verlangten 10 cm nur 4 cm betrug. Der Verdacht, dass die seiner Zeit tätige Baufirma die Kirchengemeinde betrogen hat, liegt nahe.

Wegen der im wahrsten Sinne des Wortes herausragenden städtebaulichen und architektonischen Bedeutung der Heilandskirche wurde im April 2014 zwischen dem Bezirksamt Mitte von Berlin und der evangelischen Kirchengemeinde als Maßnahmenträger ein Förder- und Kooperationsvertrag zur Sanierung der Gebäudehülle (Dächer, Fassaden, Fenster) geschlossen. 50% der Kosten hatte die Kirchengemeinde aufzubringen, 50% wurden im Rahmen des Förderprogramms Aktive Zentren beigesteuert. Bedingung dafür war, dass die Gemeinde ihre Räumlichkeiten weiterhin für gemeinnützige soziale und kulturelle Zwecke zur Verfügung stellt.

Die Baumaßnahme begann im Juni 2014 mit der Baustelleneinrichtung und der Gerüststellung. Das übergroße, teils hängend konstruierte Gerüst benötigte besondere statische Vorkehrungen wie z.B. eine zusätzliche Aussteifung des Turms und hat allein ein gutes Fünftel der Baukosten gebunden. Bevor die eigentliche Hüllensanierung begann, mussten jeweils noch die Schadensaufnahmen und Leistungsbeschreibungen, die zuvor auf „Sicht“ unter Zuhilfenahme von Fernrohren und vergrößerten Fotos erstellt waren, konkretisiert werden. Dabei zeigte sich, dass die mit dem Vertrag vereinbarten Leistungen so vorsichtig kalkuliert und günstig vergeben waren, dass ca. 250.000 € übrig zu bleiben „drohten“.

Während die ursprünglich vereinbarten Baumaßnahmen dem Ende entgegen gingen, hat die Kirchengemeinde deshalb im September 2015 einen Antrag auf Maßnahmenerweiterung an neun zusätzlichen Bauteilen gestellt. Um möglichst lange nicht erneut ein derart kostenträchtiges Gerüst finanzieren zu müssen, war es Förderziel, ganz besonders sorgfältig die Bauteile oberhalb der Dachtraufe zu erneuern. Nun konnten weitere Bauteile (wie Portal, Fenster des Langhauses, Deckendämmung Sakristeien, Graffitischutz Sockelbereich) berücksichtigt werden.

Wegen der Zusatzmaßnahmen wurde die vertraglich vereinbarte Bauzeit mittels Ergänzungsvertrag zum Fördervertrag um ein Jahr bis Ende 2016 verlängert. Zugleich wurden 60.000 € für den Bau einer Rollstuhlfahrerrampe aus dem Fördervertrag herausgenommen und der 2017 folgenden Fördermaßnahme Freiflächengestaltung um die Heilandskirche zugeordnet.

Mit einem Festgottesdienst, gehalten von der Generalsuperintendentin Trautwein, wurde die damals noch weitgehende Fertigstellung der Hüllensanierung am 21.05. 2016, dem bundesweiten Tag der Städtebauförderung, im Beisein vieler Beteiligter und zahlreicher Gäste begangen. Seitdem die sanierte Heilandskirche zusätzlich abends und nachts angestrahlt wird, wird ihr Erscheinungsbild ihrer kirchlichen, gesellschaftlichen und stadtbildprägenden Bedeutung wieder vollends gerecht.